Ihre Fragen zum Thema PFAS und Trinkwasser in Eichwalde

Stand: 22. Oktober 2025
Die neuen Messwerte zeigen eine Reduzierung der PFAS-Belastung bei der relevanten PFAS20-Stoffgruppe um 87%.
Für weitere Informationen besuchen Sie gern diese PFAS-Informationsseite des MAWV.
PFAS ist die Abkürzung für Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (englisch per- and polyfluoroalkyl substances). Diese Gruppe an verschiedenen chemischen Stoffen umfasst mehr als 10.000 Stoffe. Sie sind menschengemacht und werden seit den späten 1940er Jahren produziert und sind Bestandteil von Konsumprodukten aus den Bereichen Kosmetika, Kochgeschirr, Papierbeschichtungen oder Textilien sowie zur Oberflächenbehandlung von Metallen und Kunststoffen und finden Verwendung in Pflanzenschutz- und Feuerlöschmittel1.
PFAS gelten als sog. „Ewigkeitschemikalien“. Für die industrielle Produktion hat das Vorteile: die gefertigten Produkte sind sehr hitzebeständig und wasser-, fett- und schmutzabweisend. Als extrem langlebige chemische Verbindungen sind sie biologisch nicht abbaubar und können Böden und Wasser belasten und wirken von dort auf Erzeugnisse. Momentan gelten vor allem tierische Lebensmittel als mit PFAS belastet2. Da diese Stoffe langlebig sind, werden sie nur langsam aus tierischen und menschlichen Organismen ausgeschieden.
Studien und Tierversuche legen nahe, dass eine hohe Aussetzung mit PFAS für den Menschen gesundheitliche Folgen haben; eindeutige Belege gibt es hierfür aber nicht. Relevant ist hierbei die Betrachtung der Konzentration der Stoffe über einen bestimmten Zeitraum. Genaue gesundheitliche Schäden durch PFAS sind schwer nachweisbar. Bei Kindern zeigen Studien mögliche Zusammenhänge zwischen einer PFAS-Belastung und einer geringeren Konzentration an Antikörpern nach üblichen Impfungen. Zum Teil wurden bei höheren Aussetzungen mit PFAS höhere Cholesterinspiegel sowie höhere Werte eines bestimmten Leberenzyms festgestellt. In Tierversuchen konnte man mittels einer hohen PFAS-Dosierung nachweisen, dass die Stoffe die Leber schädigen sowie zu Beeinträchtigungen des Fettstoffwechsels, des Schilddrüsenhormonspiegels und des Immunsystems führen. Weitere Tierversuche zeigen, dass PFAS-Stoffe möglicherweise krebserregend sein könnten. Eine umfassende Studie zum Zusammenhang von PFAS und Krebs beim Menschen erfolgt aktuell durch die Internationale Agentur für Krebsforschung (IARC) und die Weltgesundheitsorganisation (WHO). Klar ist hingegen, dass PFAS nicht das Erbgut von Mensch und Tier verändern3.
PFAS lassen sich im menschlichen Blutplasma nachweisen. Zudem wurden bei Studien einige dieser Stoffe in Muttermilch nachgewiesen4.
Am 24.06.2023 trat eine Novellierung, also eine Anpassung, der Trinkwasserversorgung in Kraft5. Diese wurde von Bundestag und Bundesrat beschlossen und verabschiedet. Neben vielen weiteren Anpassungen setzt diese Novellierung erstmals Grenzwerte für PFAS-Verbindungen fest; eine Forderung, die seitens Verbraucherzentrale und Umweltverbänden bereits länger diskutiert wurde. Diese Grenzwerte legen die Konzentration bestimmter chemischer Stoffe im Trinkwasser in den Werten mg/l (Milligramm pro Liter). In Bezug auf PFAS wurden zwei markante Stoffgruppen definiert: PFASΣ20 und PFASΣ4. Die Zahlen stellen jeweils Summen (Σ) verschiedener bekannter PFAS-Stoffverbindungen dar. Die Grenzwerte setzen sich wie folgt zusammen:
PFASΣ20 – 0,000 10 mg/l – entspricht 0,1 µg/l (0,1 Mikrogramm pro Liter)
PFASΣ4 – 0,000 020 mg/l – entspricht 0,02 µg/l (0,02 Mikrogramm pro Liter)
Dieser Grenzwert gilt ab dem 12. Januar 2026.
Dieser Grenzwert gilt ab dem 12. Januar 2028.6
Bis zum Inkrafttreten der neuen Grenzwerte gelten sog. „gesundheitliche Leit- bzw. Vorsorge-Maßnahmenwerte“ des zuständigen Gesundheitsamtes (GA) Dahme-Spreewald. Diese Werte unterteilen die vielen möglichen Stoffe in bestimmte Untergruppen und orientieren sich an der aktuell gültigen Trinkwasserverordnung7. Diese Höchstwerte (inklusive gemessener Belastungen – Stand März 2025) sind:
PFOA: 0,00345 µg/l Höchstwert Gesundheitsamt: 0,05 µg/l
PFOS: 0,00898 µg/l Höchstwert Gesundheitsamt: 0,05 µg/l
PFHxS: 0,026 µg/l Höchstwert Gesundheitsamt: 0,1 µg/l
Zusätzlich gibt es aktuelle Messwerte der neu definierten Stoffgruppe PFASΣ20, für die ab 12. Januar 2026 ein neuer Grenzwert gilt: PFAS 20: 0,064 µg/l Grenzwert ab 2026: 0,1 µg/l Hieraus ergibt sich, dass die vom Gesundheitsamt vorgegebenen Werte nicht überschritten werden. Darüber hinaus ist die Einhaltung des neuen gesetzlichen Grenzwertes ab 2026 nicht gefährdet.
Im Jahr 2024 wurden im engmaschigen Wassermonitoring des Märkischen Abwasser- und Wasserzweckverbands (MAWV) wurde eine PFAS-Belastung festgestellt8. Die aktuellsten Werte vom Februar 2025 finden Sie unter Punkt 6.
Aktuelle Messwerte können beim MAWV erfragt werden oder alternativ ab April 2025 auf der Homepage des MAWV abgerufen werden.
Zwischen 2005 und 2009 kam es zu drei großen Feuerwehreinsätzen bei Brandereignisse auf dem Gelände des ehemaligen Reifenwerks in Berlin-Schmöckwitz. Insbesondere ein Großbrand im Jahr 2005 und der notwendige Löscheinsatz gelten als bedeutendes Eintragsereignis der PFAS-Belastung9.
Die Brunnen und das Reinwasser des Wasserwerks Eichwalde werden engmaschig auf PFAS untersucht und mit den Brunnenfördermengen und der Wasserwerksabgabe ins Verhältnis gesetzt. Zudem wird belastetes Grundwasser, das aus dem Boden des Eintragsereignisses (Reifenwerk Schmöckwitz) kommt, wieder separat dorthin zurückgeführt, sodass es zu keiner Kontamination mit übrigen Brunnenreservoirs kommt. Nähere Informationen hierzu in einem Beitrag von rbb24 Brandenburg aktuell vom 23.03.2025.
Update vom 14.08.2025: Der MAWV hat zu diesem Datum eine neue Infiltrierungsanlage in Betrieb genommen. Das heißt, dass das belastete Wasser vom Eintragsort weiterhin separiert wird – nun in einem dauerhaft laufenden Kreislauf mit 40m³ zurückgeführtem Wasser pro Stunde. Das belastete Wasser wird dabei „in Bewegung“ gehalten und bleibt so sichtbar und kontrollierbar.
Mit diesem System bereitet der MAWV den Weg für die geplante Grundwasserreinigung des Berliner Senats.
Der MAWV gibt an, dass „das Brunnenregime [derzeit] so gesteuert [wird], dass die aktuell gültigen Grenzwerte der Trinkwasserversorgung eingehalten werden“10. In der Märkischen Allgemein wird der stellvertretende Verbandsvorsteher Falko Börnecke zur Gefährlichkeit des Trinkwassers zitiert: „Trinkwasser aus Eichwalde kann bedenkenlos verwendet und getrunken werden“11. Nach Verbandsaussagen wird das als belastend geltende Grundwasser gesondert aufgefangen und zurück zum Ursprungsort, dem ehemaligen Reifenwerk, gepumpt. Dies sei „eine vorläufige Abwehrmaßnahme, die Zeit verschafft“12.
In einer Schriftlichen Anfrage einer Abgeordneten der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus vom 18.10.2024 äußert sich die Berliner Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt zur Verantwortlichkeit: „Verantwortlich für die Beseitigung der PFAS-Kontaminationen im Grundwasser, die vom Grundstrück des ehemaligen Reifenwerks Schmöckwitz ausgehen, ist das Land Berlin als Eigentümerin. Die damalige Eigentümerin – die Berliner Reifenwerk GmbH – kann nicht mehr herangezogen werden, da sie sich in Liquidation befindet“13.
Zunächst versichert die Senatsverwaltung, alle erforderlichen Maßnahmen mit dem betroffenen Wasserwerk sowie relevanten Behörden des Landes Brandenburg eng abzustimmen14. Geplant seien neben zeitnahen Erkundungs- und Gefahrensicherungsmaßnahmen der „Aufbau und Betrieb einer Grundwasserreinigungsanlage“15.
Die Senatsverwaltung plant, die Maßnahmen bis zum Inkrafttreten der neuen gesetzlichen Grenzwerte umzusetzen, also bis zum 12. Januar 2026.
Die Kosten trägt das Land Berlin als erfasste Verantwortliche für die Verunreinigung.
• Abgeordnetenhaus Berlin. Schriftliche Anfrage der Abgeordneten June Tomiak (Grüne) vom 18.10.2024. beantwortet am 06.11.2025: Link
• Per- und polyfluorierte Alkylverbindungen (PFAS): Link
• Trinkwasserverordnung (TrinkwV): Link
• Festlegung Grenzwert der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA): Link
• FAQ des Bundesministeriums für Umwelt: Link
• PFAS-Portal des Bundesumweltamtes: Link
• gesammelte Informationen vom Bundesinstitut für Risikobewertung: Link
• Übersichtsseite der Verbraucherzentrale: Link
• Zweite Verordnung zur Novellierung der Trinkwasserverordnung, ausgegeben am 23.06.2023: Link
• Kundeninformation des Märkischen Abwasser- und Wasserzweckverbands vom 18.12.2024: Link
• Beitrag von rbb24 Brandenburg Aktuell vom 23.03.2025: Link
• Bericht der efsa (European Food Safety Authority) zu Gesundheitsrisiken von PFAS-belasteten Nahrungsmitteln [englisch]: Link